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18. Dezember 2015
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Rück- und Ausblick des Berliner Jugend Forums 2015

Diesen Monat fand das Berliner Jugend Forum im Abgeordnetenhaus statt. Einen ganzen Tag hatten wir, die beteiligungsaffinen Jugendlichen aus Berlin, die Chance das aktuelle Meinungsbild der Jugend abzubilden, Veränderung anzustoßen und auf kreative Weise politische und soziale Themen, die uns am Herzen liegen, zu präsentieren. Wir hatten außerdem die Möglichkeit dabei andere junge Menschen mit zunehmen und mit unserer Begeisterung anzustecken.

Mit einem weiteren FÖJler, Lucas Niño, gestaltete ich die Themeninsel: „Faire (Um-)Welt!?“. Kapitaslismuskritisch und Sumak Kawsay-Tastisch ließen wir uns im Südflügel des Abgeordnetenhauses nieder. Viel Unterstützung bekamen wir von der quirligen Berliner Nachhaltigkeitsszene und Politikern, wie Dr. Ing. Guido Brendgens und Dr. Turgut Altug. Dabei erfuhren vier markante Bereiche des Lebens eine Überprüfung auf Postwachstum.

Lifestyle und Konsum? – Neudefinierung des Luxus-Strebens & Up-cycling!

Karriere und Business? – Bedingungsloses Grundeinkommen & Gewinnabwurf an soziale Projekte im Kiez!

Stadtentwicklungspolitik? – Faire, grüne und dezentrale Städte!

Ernährung? – Containern entkriminaliesieren & Verbot von unnötigen Plastikverpackungen für Lebensmittel!

Die Forderungen, so alternativ sie heute leider noch erscheinen mögen, entstanden bei intensiven Diskussionen zwischen den Teilnehmern des Berliner jugend Forums, Experten und Politikern. Währenddessen lernte ich, was es bedeutet die Verantwortung für ein so großes Projekt zu übernehmen. Ich bekam Einblicke hinter die stressigen Kulissen und ziehe deswegen meinen Hut vor den HauptorganisatorInnen. Chapeau an dieser Stelle, an Kristin Horn, Fabian Schrader, Tina Leskien und Clara Siller-Deselaers!

Mit welchen Maßstäben lässt sich das Leben jenseits 2015 messen?

Dieser und weiteren Fragen widmeten wir uns bei der Themeninsel „Faire(Um-)Welt!?“. Im Rahmen bedeutender UN-Konferenzen, die in Addis Abeba, New York und Paris stattfanden, nahm man sich ebenfalls dem Themenschwerpunkt 15+ an. Eine Handreichung dafür könnten die in New York aktualiesierten  Millennium Development Goals (MDG) sein…Ausgehend von der Forderung eines Teilnehmers, ein Museum des Kapitalismus zu erbauen (Berliner Jugend Forum, Faire Um-Welt, Lifestyle&Konsum) muss ich kurz abschweifen….

Wäre der Bau sinnvoll?  Vielleicht um das Phänomen „Kapitalismus“ plastisch darzustellen? Um dann inspiriert und angewiedert zugleich ein neues „System“ zu entwickeln, dass nicht irgenwann einmal kollabiert und dabei die Gesundheit der Erde massiv verschlechtert….So wandle ich in Gedanken, entlang des kleinen Kapitalismusmuseum, entlang starrer Hierarchien, entlang der etablierten Luxusphilosophie, entlang der Vergangenheit. Ich frage mich ob die Menschen damals glücklich waren. Ich frage mich ob sich ihre Wünsche und Hoffnungen erfüllt haben, als sie so feierlich ihr Blut ließen und uns den Kapitalismus schenkten. Ob Massenproduktion, erhöhte CO2 Emissionen, Rohstoffknappheit, Verarmung und Verelendung von anderen Menschen in sogennanten Entwicklungsländern, ob das alles genauso gewollt wie gebilligt wurde?

Ich sehe das erste Auto – das Symbol der Mobilität. Ich sehe es anwachsen und an Geschwindigkeit zunehmen und ich sehe es Menschen töten. Ich sehe, wie es Brüder und Schwestern bekommt und ich sehe, wie es sich weiter vermehrt. Ich sehe den Gedanken des Komfort Einzug erhalten und integrierte Lippenstifthalter für die „moderne“ Frau. Ich sehe ehemaliges Waldgebiet, das weichen muss. Ich sehe große Schnellstraßen, Kreuzungen, Ampeln, die im Takt ihre Farbe ändern und Zebrastreifen. Weitere Gänge folgen im Kapitalismusmuseum, weitere Geschichten. Wachstum und Wandel. Hand in Hand. Doch zu welchem Preis? Jetzt verstauben Plastiktüten und Fast Food Angebote mit undefenierbarer Fleischherkunft, in den Regalen. Oder zumindest…bald…höre ich zu träumen auf.

Feedbackkultur oder Kulturproblem?

„Wer an ein exponentielles Wirtschaftswachstum glaubt, ist entweder verrückt oder Wirtschaftswissenschaftler.“

So hieß es in dem DVD-Trailer „Wachstum, was nun?“ (Regie: Marie-Monique Robin), welchen wir zu Beginn, des Inputvortrages unserer Themeninsel, zeigten. Als Einstieg und Bestandsaufnahme. Danach richteten wir unser Augenmerk auf die Staatsphilosophie Boliviens und auf das Land selbst, das sich 2009 eine neue Verfassung gab.

Unser Anspruch, bei der Durchführung der Themeninsel, lag nie bei einer alternativen Belehrung, sondern bei der Suche nach möglichen Alternativen der Umsetzung eines „Allgemeinwohles“, welches sich nicht auf Kosten der Natur niederschlägt. So offen wir auch an das Thema herangegenagen sind, so erfreut bin ich über die zustande gekommenen Ergebnisse. Niemand kann mehr die Augen davor verschließen, dass der Planet Erde endlich ist. Nun gilt es Strategien zu verinnerlichen, die, die Erde, wenn nicht retten, dann zumindest den gröbsten Schaden vermeiden lassen.

Viele der Teilnehmenden kritisierten das vorherrschende „Kulturproblem“. Darunter verstanden sie vor allem die Gier nach mehr, das schneller, höher, weiter und den Egoismus der Individuuen, welche eben nicht: global zu denken und dann regional zu handeln, vermögen. Außerdem geriet das verzinste Geldsystem unter Beschuss: die Teilnehmenden sehen auch hier die Chance sich der Feedbackkulter zuwenden zu können, als Wertschätzung der Arbeitsleistung, anstatt einer Entlohnung durch Besoldung. In Ambivalenz dazu war ihnen dennoch eine gerechte Entlohnung wichtig. Doch was erscheint in einer Postwachstumsgesellschaft als gerecht?

Auch hier bemühten wir uns um eine Annäherung: bei dem Thementisch Stadtentwicklungspolitik stellte man das Bild der Stadt im Jahre 2035+ nach. Demnach wäre gerecht, fair oder wünschenswert für die Stadtbevölkerung 2035+, dass zum Beispiel bei der Bauplanung mehr „grüne“ Dächer angelegt werden, urban Farming verstärkt gefördert, der Fahrrad-Verkehr weiter ausgebaut oder, dass Energie nur noch durch Wind und Solarkraft gewonnen wird. Diskutiert wurde auch die Erhebung einer Kerosinsteuer als Push-Faktor für unkotrollierten Städtetourismus. Generell waren sich jedoch alle einig, dass ebenso mehr freie Grünflächen exestieren sollten, wie preiswerter Wohnraum.

Zusammenfassend lasse ich Bertolt Brecht zu Wort kommen:

„Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren!“

Wie wäre es also, wenn man das Leben jenseits 2015 nicht mehr anhand des BIP misst? Findet es heraus – ich lade euch dazu ein.

(A.B.)

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