Jugendkonferenz „Pimp my Europe“

von Nushin Mashal

Junge Interessierte setzen sich auf belgischem Boden für mehr Mitspracherecht in der Politik ein – Eine Jugendkonferenz mit Zukunft im Rahmen des Projekts „ewoca – young perspectives“

Vom 27. bis zum 29. März 2018 hatten mein Kollege Janik und ich die Möglichkeit nach Brüssel zu fliegen und die Jugendkonferenz “Pimp my Europe – Level Up” journalistisch zu begleiten. Wir haben fleißige, politikbegeisterte Jugendliche aus Europa kennengelernt, die durch eine lange Zusammenarbeit einen engen Zusammenhalt aufgebaut haben. Sie teilten mit uns ihr Wissen und ihre Impulse über den politischen Stand in Europa. Mit viel Elan stellten sie uns und einigen Politikern aus ganz Europa ihre Sicht auf wichtige Maßnahmen für die Zukunft vor. Abgesehen davon hatten wir das Vergnügen, die Jugendlichen als Personen kennenzulernen, die sich für das Reisen faszinieren und Menschen ohne Vorurteile in jeder Hinsicht akzeptieren, unabhängig von Herkunft und Wohlstand.

Die Intention, die hinter der Konferenz stand, lag in der Motivierung der Jugendlichen, sich politisch zu engagieren und das mit anderen internationalen Jugendlichen aus Ungarn, Italien und Deutschland teilen zu können. Um uns anzusehen, wie das funktionieren kann haben wir uns auf den Weg nach Belgien gemacht …

Der erste Tag bestand darin, dass wir in der Jugendherberge ankamen und uns erklärt wurde, wie der Ablauf der nächsten Tage sein wird. Am gleichen Tag fand die Generalprobe der Jugendkonferenz mit den circa 50 Jugendlichen statt. Die Vorbereitungen dauerten bis spät in die Nacht, alle arbeiteten konzentriert und motiviert.

Als wir im Publikum saßen wurde uns näher gebracht, was sich hinter “Pimp my Europe – Level Up” verbirgt. “Pimp my Europe” wurde vor circa vier Jahren gegründet und hat das Ziel, dass sich politisch interessierte Jugendliche aus Europa mit Politikern der EU austauschen können. Abgesehen davon ermöglicht Pimp my Europe Jugendlichen, die sonst nicht die Möglichkeit dazu hätten, andere Länder zu bereisen und in Kontakt mit internationalen Jugendlichen zu kommen. Es gab bereits Ende 2017 eine größere Veranstaltung in Rom in Italien, bei der sich die 50 Teilnehmer*innen bereits inhaltlich auf die Jugendkonferenz vorbereiteten. Für die zweite Runde arbeiteten die Jugendlichen im Alter von 18 bis 30 Jahren ehrenamtlich seit mehreren Monaten daran, Ideen und Lösungen zu entwickeln, um bei Problemthemen, welche von den europäischen Politikern in den Abgeordnetenhäusern besprochen werden, mitzuwirken. Dafür trafen sich die Teilnehmer*innen mit mehreren Mitgliedern des Europäischen Parlaments auf der selbstorganisierten Konferenz in der Jugendherberge in Brüssel.

Jugendliche in der Vorbereitung auf die Diskussion mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments

Ein Saal wurde kurzerhand zum Konferenzraum umgebaut, in dem die fünf Gruppen mit jeweils 3-5 Jugendlichen mit den Politikern zu einem der folgenden Themen am nächsten Tag diskutieren sollten: Umwelt, Bildung, Europäische Projekte, Krieg und Frieden und Arbeit bzw. Arbeitslosigkeit.Diese Themen wurden von den Jugendlichen ausgewählt, da sie aktuelle Gesprächspunkte im Europäischen Parlament sind. Die Jugendlichen hatten im Vorfeld nach monatelanger Vorbereitungszeit Reden entwickelt, die zur Diskussion anregen sollten. Die erfolgreiche Generalprobe ging am Abend zu Ende. Wir ließen den Tag mit einem Abendessen ausklingen und ruhten uns aus, um gestärkt den nächsten Morgen antreten zu können.

Dann kam der Tag, auf den alle Teilnehmer*innen und die Betreuer*innen lange hingefiebert hatten. Hinter den Kulissen gab es viel Druck, Stress und manche Dinge, die nicht so liefen, wie sie ursprünglich geplant waren. Flexibilität und Spontanität waren bei der Durchführung der Konferenz notwendig, weil jeder irgendwo unerwartet einspringen musste. Dazu kamen öfter technische Schwierigkeiten, welche im Weg standen und um die man sich kümmern musste. “Teamwork” stand bei der Gruppe von Pimp my Europe groß an erster Stelle. Doch trotz der Hindernisse und der knappen Zeit konnte die Konferenz rechtzeitig beginnen und verlief erfolgreich.

Eingeladen waren sogenannte MEPs (Members of European Parliament). Drei der geladenen Europaabgeordneten waren Tiemo Wölken (SPD), Dennis Radtke (CDU) und Jens Geier (SPD). Tiemo Wölken und Jens Geier gehören im Europaparlament der S&D-Fraktion an, Dennis Radtke der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten). Nach der Begrüßung und dem Vorprogramm fand sich jede Gruppe mit einem Politiker zusammen, sodass die Diskussionsrunde beginnen konnte.

Jedem Politiker wurde eines der Themen vorgestellt und die damit verbundenen Probleme. Daraufhin wurden Vorschläge gemacht und darüber diskutiert was Europa besser machen kann, um schneller Lösungen zu finden. Besonders beeindruckend war beispielsweise die Argumentation in der Gruppe “Bildung”. Die Jugendlichen trafen die Aussage, dass die Schulsysteme in vielen europäischen Ländern Verbesserungspotenzial hätten. Finnland hätte laut Statistiken das beste Bildungssystem der Welt und ein Vorschlag war, dass sich die EU darauf fixieren sollte, herauszufinden, was Finnland anders macht als die restlichen Länder und weshalb die Schüler*innen dort unter weniger Stress und mit mehr Motivation lernen. Es mache Sinn, die erfolgreichen Komponenten des Schulsystems zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Unabhängig davon haben wir Gespräche darüber mitbekommen, dass man bei der Herstellung von Kleidung stärker auf die Umwelt achten sollte und versuchen sollte, Wege zu finden, um abgenutzte Kleidung wiederzuverwenden und nicht wegzuwerfen. Insgesamt waren die Lösungswege realistisch und durchdacht gewählt und wir bekamen den Eindruck, als könnten sie wirklich eines Tages umgesetzt werden. Denselben EIndruck bekamen wir von den Politikern, welche offen und interessiert den Jugendlichen lauschten und ihnen bei Fragen zur Verfügung standen. Die Politiker schienen beeindruckt von dem Engagement, welche die jungen Teilnehmer*innen hatten – besonders, da aktuell so oft von einer Politikmüdigkeit der jungen Generation gesprochen wird.

Nachdem die Jugendkonferenz zu Ende war, ging es zurück nach Deutschland. Es war eine aufregende Reise, die sehr interessant und lehrhaft war. Eine Jugendkonferenz hatten wir in dieser Hinsicht noch nie erlebt, deshalb war es eine einmalige Erfahrung, dabei gewesen zu sein. Es kann gesagt werden, dass “Pimp my Europe” ein gelungenes Projekt ist, das dabei hilft, dass Politiker zuhören was die jungen Menschen über politische Themen zu sagen haben.

Vielleicht besteht sogar die Möglichkeit, dass die Politiker einige der Ideen der Jugendlichen in ihren anstehenden politischen Entscheidungen berücksichtigen. Viele kleine Veränderungen können erst etwas Großes in der Welt ändern. Da die Jugendlichen von heute die Zukunft von morgen sind, ist das meiner Meinung nach ein sinnvoller Weg.

Im Video könnt ihr euch von der Konferenz, den Teilnehmer*innen und Politikern einen eigenen Eindruck verschaffen. Schaut selbst und entscheidet, ob die Dinge und die Themen, die die Jugendlichen mit den Politikern diskutieren, etwas inspiriert haben könnten.

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